Wo steht die Gesichtserkennung aktuell?

Die Gesichtserkennung verwendet eine auf künstlicher Intelligenz basierende Bildverarbeitungtechnologie, um das Bild des Gesichts eines Fremden mit den bekannten Personen aus der Datenbank abzugleichen. Theoretisch könnte die Technologie wirklich nützlich sein, da sie den Mitarbeitern den automatischen Zugang zu Büros ermöglicht, Kriminelle aufspürt und verlorene Kinder findet. Doch obwohl die Gesichtserkennung in letzter Zeit ziemlich häufig in den Nachrichten auftaucht, geschieht dies, meistens aus den falschen Gründen.

Die Hauptprobleme sind schlechte Genauigkeit und Verzerrung. Die Systeme können in kontrollierten Umgebungen, wie z.B. Büros mit gleichmäßiger Beleuchtung, wirklich gut funktionieren, aber in freier Wildbahn, wo die Kameras es mit unterschiedlichen Winkeln, unterschiedlichen Lichtverhältnissen und Personen, die nicht wissen, dass sie fotografiert werden, zu tun haben, schneiden sie miserabel ab. Vorurteile schleichen sich ein, weil oft der Datensatz, der für das Training der KI verwendet wird, nicht repräsentativ für die Bevölkerung ist, auf der sie verwendet werden sollen.

Das alles bedeutet, dass unschuldige Menschen, meist aus Minderheiten, darunter leiden, wenn die Technologie von der Polizei benutzt wird. KI-Experten haben dieses Problem in einer Kampagne gegen Amazon aufgedeckt, in der sie bewiesen, dass die Plattform Vorurteile gegenüber Frauen mit dunkler Hautfarbe aufweist. Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass die New York Times ein interessantes Experiment mit öffentlichen Webcam-Daten durchgeführt hat, um Personen zu identifizieren und zu verfolgen. Sie sammelte öffentliche Bilder von Personen, die in der Nähe von Bryant Park in New York arbeiteten (die größtenteils auf den Websites ihrer Arbeitgeber zu finden sind) und führte eines Tages Filmmaterial durch einen Gesichtserkennungsdienst. Es entdeckte 2.750 Gesichter in einem Zeitraum von neun Stunden; zum Beispiel, konnten sie eine Person als Professor Richard Madonna identifizieren.

In New York wird die Gesichtserkennung auch zur Identifizierung und Verfolgung von Mietern und Studenten eingesetzt. In London hatten die Entwickler eines Gebietes nördlich der Kings Cross Station – ohne es jemandem zu sagen – eine Gesichtserkennungstechnologie im gesamten Gebiet installiert. Nachdem der Vorfall in die Presse kam, steht das Unternehmen vor einer ICO-Untersuchung, weil es keine legitime Rechtfertigung dafür besaß. Sie haben sich nun verpflichtet die Technologie nicht mehr zu benutzen.

Liberty, die Menschenrechtsorganisation, hat die Gesichtserkennung als „das Arsen im Wasser der Demokratie“ bezeichnet und bringt rechtliche Schritte gegen die britische Polizei ein. Doch sie stehen vor einer großen Herausforderung, da der britische Innenminister kürzlich Pläne für den Einsatz der Technologie durch die Polizei unterstützt hat.

Auf der anderen Seite haben einige große Technologieunternehmen den Einsatz ihrer Technologie durch die Polizei abgelehnt, und San Francisco ist die erste Stadt, die die Verwendung von Gesichtserkennungstechnologie an öffentlichen Orten verbietet. Und im Vereinigten Königreich verklagt ein Bürger die Polizei vor Gericht, weil sein Bild mit Hilfe der Gesichtserkennungstechnologie aufgenommen hat.

Es ist selbstredend, dass die Technologie im Moment bei weitem nicht perfekt ist, aber Organisationen, öffentliche Einrichtungen und Regierungen setzen sie weiter ein, ohne die Konsequenzen vollständig zu berücksichtigen. In einer idealen Welt gäbe es globale Standards für den zulässigen Einsatz (genau wie bei Chemiewaffen), aber dies wird angesichts der unterschiedlichen Meinungen darüber äußerst schwierig zu erreichen sein. Es muss jemand, oder eine Nation, die Führung übernehmen, die Verwendung der Gesichtserkennung zu regeln. Nur dann werden die Bürger ihr vertrauen können, oder haben zumindest eine Rückversicherung, wenn sie missbraucht wird. Die Kampagnen der bereits erwähnten KI-Experten, Organisationen wie Big Brother Watch und ironischerweise die KI-Technologie selbst, sind derzeit unsere besten Hoffnungen, um eine unserer Grundfreiheiten zu erhalten.

 

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